Noch nichteinmal pfeiffen kann er…

Am Wochenende kam mir die Idee, eine weitere Kategorie aus meinem Leben in diesen Blog aufzunehmen: Ich bin seit einigen Jahren Fußballschiedsrichter und werde zukünftig von den vielen Erlebnissen berichten, die sowohl positiv als auch negativ waren.

Anfangen möchte ich heute mit einem der Negativbeispiele aus der Welt des Fußballs. Erschreckenderweise spielte sich diese Geschichte schon zu Anfang meiner „Karriere“ bei einem Jugendturnier ab.

Als Fußballschiedsrichter ist man es ja gewohnt, der Depp des Spiels zu sein. Egal wie man sich entscheidet, egal was man macht, es gibt immer genug Leute die es besser gesehen haben und besser entschieden hätten. Meistens sind es aufgebrachte Spieler oder Trainer, die teilweise ganz bewusst versuchen den Schiedsrichter zu verunsichern. Das ist man gewohnt und mit wachsender Erfahrung lernt man damit umzugehen.

Tragisch ist es allerdings, wenn junge Schiedsrichter, die nach erfolgtem Lehrgang eigentlich erst den Spaß am „Pfeiffen“ entwickeln, verbal und körperlich angegangen werden.

In meinem Fall leitete ich als Schiedsrichter ein Turnier in der D-Jugend (in der Regel Kinder von 11-13 Jahren!!!). Ein zu Anfangs unproblematisches Spiel hatte auf Grund von Zuschauerausschreitungen einen Turnierabbruch meinerseits zur Folge.

Aber mal langsam von Beginn an.

Ich war gerade 15 oder 16 Jahre alt, und noch recht frisch im Geschäft. Mein Auftrag war es, an einem Samstag ein Jugendturnier zu leiten, bei dem es eigentlich nur um den Spaß der Kinder geht. EIGENTLICH! Leider kommt es auch im Jugendbereich vermehrt dazu, dass übereifrige Eltern nicht mehr den Spaß der Kinder im Vordergrund sehen, sondern den eigenen Ehrgeiz und falschen Familienstolz.

So kam es in diesem Turnier bei einem Recht harmlosen Spiel schon recht früh dazu, dass der „Trainer“ (meiner Meinung nach ist der Begriff für jemanden, der jegliche Vorbildfunktion außer Acht lässt, unangebracht) anfing lauthals jede Entscheidung meinerseits zu kommentieren. Nachdem nicht nur Unmutsäußerungen sondern auch Beleidigungen jeglicher Art mir langsam auf die Nerven gingen und die Spieler anfingen ihren „Trainer“ auch noch tatsächlich als Vorbild zu nehmen, wollte ich den Trainer aus dem Innenraum verweisen.

Dies sollte sich als gravierender Fehler herausstellen. Ich wurde nämlich nicht nur von dem Trainer beleidigt und bespuckt, nein auch eine Meute verrückt gewordener Zuschauer (man hatte aus dem Turnier kurzerhand ein kleines Familienfest gemacht) rannte mir hinterher und wollte mir an den Kragen.

Selbst als die Veranstalter des Turniers sowie mein Vater mich vor den Leuten abschirmten, versuchte man über diese Hinweg an mich heranzukommen und drohte mir massiv Prügel an. Hier sei nocheinmal erwähnt, dass ich so ca. 15 Jahre alt gewesen sein muss und es sich bei den Zuschauern um erwachsene Menschen handelte!

Als die Situation schier ausweglos erschien holte mein Vater kurzerhand das Auto auf die Platzanlage, man ließ mich einsteigen und wir machten, dass wir weit weg von der Anlage kommen. Selbst hierbei versuchten die Eltern und mittlerweile auch die Kinder noch gegen das Auto zu treten.

Dabei lag der Streitwert bei einem Elfmeter, der nicht hätte gegeben werden dürfen und einer Ecke, die aus Sicht der Zuschauer vom falschen Punkt ausgeführt wurde (wer schon einmal Fußball gesehen hat, weiß dass hier die Punkte klar vorgegeben sind).

Für mich war dies ein sehr einschneidendes Erlebnis. Ich war an diesem Tag sehr verängstigt und musste lange darüber grübeln, ob es sich wirklich lohnt diesem Hobby weiter nachzugehen. Hier sehe ich vor allem einen entscheidenden und wichtigen Punkt bei solchen Ausschreitungen einzelner (die Mehrheit der Zuschauer ist auch heute noch freundlich und weiß zumindest, wo Grenzen erreicht sind): Gerade junge Schiedsrichter entwickeln erst durch Erfahrungen ein Gefühl für solche Situationen. Und erst durch die ersten geleiteten Spiele entwickelt man den Spaß an diesem Sport. Ein derart dämliches Verhalten solcher mit falschem Stolz versehenen Menschen führt allerdings dazu, dass sich die Jungschiedsrichter schon sehr früh wirklich fragen müssen, ob sie den Sport wirklich so betreiben wollen.

Viele sagen hier verständlicherweise „Nein“ und geben nach nur wenigen geleiteten Partien den Schein ab. Eins sollte aber allen Leuten klar sein: Ohne Schiedsrichter kein Fußball!

Ich habe mich damals dazu entschieden, weiter zu machen und mich nicht durch solch Idioten einschüchtern zu lassen. Ein recht hartes Urteil für den beteiligten Verein vor der Spruchkammer und der Zuspruch meiner Freunde und Eltern halfen mir dabei. Aber auch der eigene Ehrgeiz. Denn auch wenn es immer wieder zu Negativ-Erlebnissen kommt, macht es tatsächlich Spaß und fördert den Charakter ungemein.

Warum ich Schiedsrichter geworden bin und warum ich auch nach den vielen Jahren und vielen Negativerfahrungen auch weiter dabeibleiben werde, kann ich bei Interesse in einem weiteren Artikel gerne mal berichten.

Bis dahin alles Gute

Euer Papa Whiskey

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About papawhiskey88

Dieser Blog wird von mir aus datenschutzrechtlichen Gründen anonym gehalten. Ich stamme aus einer Großstadt irgendwo in Deutschland und berichte über mein Berufsleben in einem großen Konzern und über Geschehnisse die ich in der Freiwilligen Feuerwehr so erlebe.

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