Barfuß im Regen

Bei dieser Überschrift denken wahrscheinlich vor allem jene, älteren Semesters an den Klassiker von Michael Holm aus dem Jahre 1970. Und ja, selbst in meinem Alter kennt man das Lied noch.

Da ich aber weder Musikkritiker noch sonst in irgendeiner Art und Weise musikalisch bin, ist mit dieser Überschrift natürlich nicht der Titel gemeint. Vielmehr rückt die kalte Jahreszeit immer näher. Die Bäume lassen immer mehr Blätter und es regnet immer häufiger. Das sicherlich zeitweise schöne Bild birgt jedoch auch seine Gefahren.

Firefox geht in seinem Artikel schon darauf ein was passiert, wenn die städtischen Entsorgungsbetriebe sich nicht in der Lage fühlen, Gullis vom Laub zu befreien. Da sich oftmals auch sonst keiner genötigt fühlt, vor seinem Haus den Gulli freizumachen, wartet man einfach ab, bis der Wasserpegel dank eines Starkregenschauers steigt und das Wasser knietief im Keller steht. Warum auch die Hektik? Die Feuerwehr kommt doch eh…schließlich zahle ich Steuern. Richtig ist, dass wir kommen. Doch um welchen Preis? Die Feuerwehr fährt an Tagen wie dem letzten Samstag von Haus zu Haus um diese vom Wasser zu befreien. Die Kollegen sind stundenlang im Einsatz oftmals nur, weil Onkel Klaus keine Lust hatte, den Gulli vor dem Haus kurz vom Laub zu befreien. Dabei wird es immer kritischer für die Leitstelle die Notfälle die im „Alltagsgeschäft“ passieren durch genügend Kräfte abarbeiten zu lassen. So müssen die Kollegen aus dem Nachbarbezirk anrücken um Oma Koslowski (Name natürlich frei erfunden)zu helfen, da die Kollegen knietief in der Scheisse ähm im Wasser stehen.

Leider ist dies mittlerweile ein gewohntes Bild für uns. Schlimm wirds allerdings wenn sich folgende Situation ergibt:

Bei einem ähnlichen Unwetter wie dem am Wochenende ist unser Fahrzeug zu einem alten Einfamilienhaus gerufen worden: Wasser in Keller mit Heizöltank. Es war eins der typischen alten Zechenhäuser, die für die damaligen Bergbauarbeiter gebaut wurden.

Begrüßt wurden wir direkt mit einem freundlichen „Warum dauert das so lange? Ich habe schon vor einer halben Stunde angerufen, jetzt ist ja noch mehr Wasser im Keller! Wofür zahle ich eigentlich Steuern?“. Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden gerade eben zum „Kunden“ des Tages gewählt. Onkel Klaus stand mit der Falsche Bier im Anschlag im schicken Feinripp-Unterhemd, der guten alten Joggingpeitsche und dem neuesten Model der Marke Assiletten (oder so ähnlich). Es bot sich uns das typische Bild: Gullis vor dem Haus waren über und über mit Blättern verstopft. Ein einfacher Griff hinein löste schonmal das Problem des nachlaufenden Wassers.

Nun ging es zur Lageerkundung in den Keller. Onkel Klaus folgte auch ganz brav nachdem man ihn drauf hingewiesen hatte, dass er nicht der einzige Anrufer sei und man gerne zu späterer Stunde wieder kommen könne. Im Keller fanden wir die typische Situation für diese Zechenhäuser vor. Der Keller wurde selbstständig ausgebaut. Dabei wurde wenig Wert auf fachmännische Korrektheit gelegt. Da wurden Stromkabel kreuz und quer durch den Keller gezogen, standen hier mal etwas ab, waren da mal etwas geknickt und wo die wirklich endeten konnte auch keiner sagen.

Onkel Klaus schien dies alles nicht zu stören…er wollte gerade mit seinen Assiletten in das Wasser steigen um uns auch ja zu zeigen, dass es wirklich knietief steht als der Kollege ihn noch gerade eben zurückziehen konnte. Dieser wurde dann auch noch wüst beschimpft, wie er den armen Onkel Klaus denn so erschrecken könnte und dazu noch anfassen…er war doch gerade eben schon in dem Wasser und wollte die Pumpe im Sickerschat einstecken, die hatte er vorher sicherheitshalber rausgezogen, damit man nicht unnötig Strom verbraucht. Hier fehlte leider völliges Unverständnis dafür wie gefährlich es eigentlich ist, in einen vollgelaufenen Keller zu steigen.

Also Onkel Klaus, nochmal zum mitschreiben: Wenn du hast Wasser in Keller, es ist nix gut zu tanzen barfuß in Wasser. Gerade wenn Stromkabel selbstgelegt kann machen „bssstt“ und alles aus…

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About papawhiskey88

Dieser Blog wird von mir aus datenschutzrechtlichen Gründen anonym gehalten. Ich stamme aus einer Großstadt irgendwo in Deutschland und berichte über mein Berufsleben in einem großen Konzern und über Geschehnisse die ich in der Freiwilligen Feuerwehr so erlebe.

9 thoughts on “Barfuß im Regen

  1. Wie könnt Ihr denn auch so spät kommen? Der Onkel hat doch höchste Priorität?! Und seinem Installationskönnen vertraut er einfach…

    Aber ist schon faszinierend, dass Menschen nicht über Gefahren nachdenken…oder irre ich mich? Also ich würde z.B. nicht nachts im Winter,dunkel gekleidet, auf Highheels… Autobahn,linke Spur, VU nicht abgesichert, viel Verkehr als Ersthelfer zwischen den fahrenden PKW und LKW herspringen. (ok, mein Bsp. ist natürlich extrem und eigentlich offensichtlich)

    • Hallo und herzlich willkommen😉
      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass genau diese Beispiele, wo sich eigentlich jeder denkt: „Das macht doch keiner“ immer wieder vorkommen. Manche Leute machen sich da wirklich keine Gedanken drüber!
      Wenn ich dann noch überlege, dass der ganze Einsatz hätte vermieden werden können, wenn der freundliche Herr die Pumpe einfach eingeschaltet hätte…naja…manchmal erwarte ich auch einfach zu viel!

      • naja, manchmal wäre es wohl zu einfach, wenn menschen erst nachdenken würden …

        allerdings muß ich gestehen, dass ich auch schon oft genug einen unfall hatte bzw irgendwas passiert ist, weil ich vorher nicht zu ende gedacht habe.

  2. möchte ja behaupten, dass sich viele Einsätze und Schäden vermeiden ließen, wenn die Leute etwas mehr aufpassen würden. leider sind sich viele der Gefahren in ihrer Umgebung gar nicht bewusst oder schätzen diese als unwichtig ein.
    Und dass die Arbeit von Feuerwehren und HiOrgs etc als selbstverständlich angesehen wird, dass ist ja leider heutzutage weit verbreitet in der Gesellschaft.
    Aber Gott sei Dank gibt es da auch immer noch die Leute, die unsere Arbeit zu schätzen wissen.

  3. Auch uns sind solche Einsätze bekannt. Aber es gibt sie noch, die Menschen, die sehr dankbar dafür sind, dass die Feuerwehr anrückt und dabei hilft, das Wasser aus dem Keller zu bringen. Da springen dann die Besitzer um einen herum und helfen tatkräftig mit. Manchmal kann es auch vorkommen, dass einem ein Kaffee angeboten wird… Aber selbst wenn es mal nicht so prickelnd läuft: was soll’s — wenigstens verbessert sich durch dadurch die Einsatzstatistik…

    • Ja die Menschen gibt es sicherlich auch bei uns!Auch ich habe schon viele Positivbeispiele erlebt! So wurden wir von Anwohnern mit Kaffee und Kuchen versorgt während eines Großeinsatzes oder die Nachbarin hat nochmal schnell Fleisch auf den Grill geworfen… Auch sowas kommt vor! Und das ist ja auch das, was das Einsatzleben so interessant macht. DEr Umgang mit den vielen Menschen, die sich freuen wenn man ihnen helfen konnte.

  4. Tja aber daran kann man nix ändern, das wird so bleiben…. Da immer weniger sich echte handwerker leisten tendiert das Problem eher gegen größer als das es stagniert.

    Ansich sollte man solche Einsätze den Leuten einzeln in Rechnung stellen, aber das ist auch nur ein Eimer Wasser gegen einen Flächenbrand….

    Naja immer weiter so, es wird ohne FFs und Hiorgs geht es einfach nicht insofern ein Weg wird sich finden😀

    • Dass die Leute mit dem Geld auskommen müssen was sie haben und sich somit nich immer einen Handwerke leisten können, kann ich verstehen.
      Wichtig finde ich nur, dass das Bewusstsein für die Gefahr im Schadensfall größer wird! Wenn mein Keller schon kniehoch vollgelaufen ist, dann stolziere ich da nicht drin rum sondern warte auf die Leute die sich damit auskennen.

      Achja…und auch du bist natürlich herzlich willkommen😉

  5. Unabhängig davon, daß es simpel dumm ist, ungesichert in H2O zu stiefeln, wenn da ggf. noch ’n paar Volt und Ampere durch die Gegend schwirren, kommt manches mal denn doch der Misanthrop bei mir durch, der trocken sagt „Darwin wirds scho richten …“😀
    Natürlich würd ich in einer solchen Situation nicht anders reagieren wie es hier geschehen ist, aber die Verlockung … jahaa, hin und wieder ist sie doch da😀

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